Holly Jennings: Arena (Rezension)

Im Jahr 2054 treten Berufsgladiatoren in virtuellen Arenen gegeneinander an, um ein Millionenpublikum zu unterhalten. Kali Ling ist eine von ihnen. Zusammen mit ihren Teamkameraden versucht sie, in einer Art Capture the Flag das jeweils gegnerische Team zu schlagen. Neben hartem Training ist ihr Leben geprägt von wilden Parties und penibel geplanten Pressekonferenzen. Als Kali zum ersten weiblichen Teamkapitän ernannt wird und der bisherige Kapitän Nathan nach einer gemeinsamen Nacht stirbt, beginnt Kali, Fragen zu stellen.

In Holly Jennings Dystopie „Arena“ werden interessante Aspekte einer technisch hochentwickelten Zukunft angeschnitten.

Die Welt wird sehr gut dargestellt, zumindest die der Gaming-Stars. Über den Alltag der normal arbeitenden Bevölkerung erfährt man nur wenig, hauptsächlich durch Telefonate der Protagonistin mit ihren Eltern, die mit der „schönen neuen Welt“ wenig anfangen können. Zum Glück verzichtete die Autorin darauf, technische Details, neue Maschinen oder die veränderte Kultur explizit zu beschreiben, sondern stellt sie sozusagen nebenher, im Zug des Geschehens, vor, so dass die Beschreibungen zwar die Welt beleben, aber nicht den Lesefluss stören.

Kalis Welt ist kalt und nüchtern. Nur der Rausch, ob durch Designerdrogen oder die Kämpfe in der Arena induziert, macht sie bunt. Interessanterweise ist das Verhältnis zwischen der virtuellen und der realen Welt anders, als man meinen könnte: Gerade die künstliche Welt der Arena ist es, die Kali als natürlich und realer empfindet:

Real war nur das Spiel – greifbar, süß und warm. Der einzige Ort, an dem ich lebendig und frei war.

Die technikgeprägte Kälte der realen Welt stößt Kali zunehmend ab. Immer wieder wünscht sie sich in die virtuelle Welt der Arena, die ihr Natur vorgaukelt. Es kommt zum Realitätsverlust.

Ich lächelte müde. Welche Welt war eigentlich die wahre Arena?

Die Sprache ist, wie es sich für eine Dystopie anbietet, schnörkellos, direkt und unverblümt, teilweise derb, auch, was die Sexszenen angeht. Jennigs findet zum Teil schöne Vergleiche und Wortkreationen, die gut zum bespielten Setting passen. Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur erzählt, eine gute Entscheidung, die Kalis Unwissenheit über die Machenschaften der Teambesitzer transportiert: Genau wie die Figur durchblickt auch der Leser das Spiel der Medienmacher nicht sofort. In der Macht der Medien findet sich auch die (einzige) Verbindung zu „The Hunger Games“.

Leider gelingt es der Autorin nicht, das interessante und gut ausgearbeitete Setting mit Leben zu füllen. Der zunächst vielversprechende Plot hält den Erwartungen nicht stand, dafür ist seine Entwicklung zu gradlinig und vorhersehbar, der Tod des ehemaligen Team-Kapitäns hätte eine weitaus größere Geschichte in Gang bringen können. Die Charakere bleiben, trotz Kalis Entwicklung, eindimensional. Kalis Methoden, ihr Team zum Sieg zu führen, fehlt es an Innovation, ebenso wie es den Plänen des Teams, das System zu unterwandern, an Rafinesse mangelt.

Die Einbindung des Taoismus als mystischem Element wirkt erzwungen – aber vielleicht gehören alte asiatische Weisheiten zu Martial-Arts-Themen einfach dazu. Wer solche liebt, wird an den gut beschrieben (und häufigen) Kampfszenen seine Freude haben. Ebenso Gaming-Fans: Anspielungen auf „alte“ Video- und Konsolenspiele wie Dr. Mario durchziehen das gesamte Buch und spielen einige wichtige Rolle in der Handlung.

Insgesamt ist „Arena“ eine Dystopie mit interessantem Setting, die allen, die gern zocken, vergnügte Lesestunden bereiten wird.

 

Details zum Buch
Holly Jennings: Arena
Droemer Knaur – kartoniert – 395 Seiten
ISBN: 3426520214
Preis: 14,99 Euro

Hinweis:
Das Taschenbuch wurde mir kostenlos von Droemer Knaur zur  Verfügung gestellt. Vielen Dank.

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