Sara Gruen: Wasser für die Elefanten (mein Beitrag für die Blog-Parade „Schreib mir von deinem Lieblingsbuch“)

„Das Fräulein Wunder“ (alias Josefine Vondenhoff) hat in ihrem Blog zu einer Bücherparade aufgerufen und fordert:

„Schreibe einen Blogartikel über dein(e) Lieblingsbuch/reihe“. 

Dem Wunsch komme ich doch gerne nach! Die Auswahl ist mir ausnahmsweise nicht schwer gefallen, denn auf meiner Festplatte habe ich noch ein paar Buchempfehlungen aus meiner Zeit beim Drachenwinkel gefunden. Wundere Dich also nicht, wenn der Schreibstil dieses Mal von meinen anderen Artikeln abweicht. Geschrieben habe ich den Artikel nämlich bereits 2013 – kurz vor unserer Tanz-Show mit dem Titel „Bellyni’s Sideshow“. Aber das gehört hier eigentlich gar nicht hin. Erklärt aber, dass ich damals total im Zirkusfieber war. Aber zurück zum Thema: Ich möchte Dir heute eines der Bücher vorstellen, die sich einen der raren Plätze in meinen Bücherregalen gesichert haben – und das nicht wegen der Verfilmung mit Robert Pattinson:

„Wasser für die Elefanten“ von Sara Gruen

Den gestrigen Sonntag habe ich auf dem sonnigen Balkon verbracht – mit einem der schönsten Bücher, die ich in letzter Zeit lesen durfte: „Wasser für die Elefanten“ von Sara Gruen. Ich hatte mir schon gedacht, dass das Buch etwas für mich sein könnte – aber es war noch so viel besser, als ich gedacht hatte!

Zunächst mal kurz, um was es geht:
Amerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Der junge Tierarzt Jacob Jankowski kann von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf … «

Wenn man diesen Klappentext liest, erwartet man eine klassisch-tragische Liebesgeschichte – was ja nicht das schlechteste ist an manchen Tagen. Das ganze noch vor dem exotischen Hintergrund der Zirkuswelt (die es mir sowieso angetan hat) und fertig ist ein perfekter Schmöker.
Aber dieses Buch kann so viel mehr! Tatsächlich beginnt die Liebesgeschichte erst recht spät im Buch und tritt auch dann nicht wirklich in den Vordergrund. Als Kulturwissenschaftlerin hat mich vor allem die Darstellung der Eisenbahnzirkusse, der Lebenbedingungen der Zirkusarbeiter und -artisten und ganz allgemein der damaligen Zeit (Weltwirtschaftskrise, Prohibitionszeit, Ingwerlähmung … ) fasziniert. Aus der heutigen Sicht ist kaum zu glauben, wie hart das Leben der Menschen früher war und die Autorin beschönigt hier auch nichts. Andererseits bot die Welt damals auch viel schönes und ich war beim lesen ständig hin- und hergerissen zwischen Gefühlen verschiedenster Art, von Ekel bis Verzückung war alles dabei.
Besonders begeistert hat mich, dass die Autorin ordentlich recherchiert und viele historische Details eingebracht hat. Im Anhang gibt sie auch interessante Buchtipps für alle, die sich weiter mit der Geschichte des Zirkus beschäftigen wollen.
Die ganze Geschichte ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, die das Buch für mich zu einem echten Highlight macht: Jacob ist mittlerweile über 90 und – nahezu vergessen von seiner Familie und von den Pflegerinnen eher als Gegenstand behandelt – in einem Altersheim untergebracht, wo er seine Tage in gleichtönender Langeweile verbringt … bis ein Zirkus in die Stadt kommt. Die Passagen, in denen Jakob mit seiner eigenen beginnenden Demenz und dem körperlichen Fall klar kommen muss und dabei noch immer um Respekt und Selbstbestimmung kämpft, haben mich sehr berührt und mich nachdenklich gestimmt.

„Das Alter ist ein grausamer Dieb. Gerade, wenn man das Leben halbwegs begreift, holt es einen von den Beinen und beugt einem den Rücken. Es bringt Schmerz und Verwirrung mit sich und lässt im Körper der eigenen Frau klammheimlich Krebs wuchern. […] Nach einundsechzig gemeinsamen Jahren umklammerte sie einfach meine Hand und verlosch.“

„<Zu meiner Zeit hat man die Alten in den Kassenwagen gesetzt. Das war so was wie die letzte Station.< <Sie waren bei einer Show?<, fragt der Mann. <Bei welcher?< >Ich war bei zweien. Die erste war BENZINIS SPEKTAKULÄRST SHOW DER WELT<, verkünde ich stolz.“

Vom Schreibstil her ist das Buch kurzweilig und in einer authentischen, plastischen Sprache verfasst, der man leicht folgen kann. Meinen Hut ziehe ich aber vor einem ganz besonderen Kniff der Autorin, der mich dazu gebracht hat, einige Stellen mehrfach zu lesen … Ich will an dieser Stelle nicht zuviel verraten, aber soviel sei gesagt: Das Buch beginnt mit dem Ende der Zirkusgeschichte, deshalb weiß man als Leser schon von Anfang an, wie das Buch enden wird. Oder doch nicht?

 

Details zum Buch
(Achtung: Das Foto zeigt die nicht mehr erhältliche Filmausgabe)
Sara Gruen: Wasser für die Elefanten
DuMont – kartoniert – 400 Seiten
ISBN: 3832164022
Preis: 11,00 Euro

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