7 Fragen an … Boris Koch

Boris Koch by (c) Anna Kuschnarowa. Das Foto wurde uns freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt.

1) Was war der skurrilste Ort, an dem Du je eine Lesung gehalten hast?
Ich will mal zwei nennen, die sich gerade temperaturtechnisch stark unterschieden – aber nicht nur. Erstens: Der unbeheizte Keller einer Absinthkneipe im November. Und zweitens: Ein S/M-Club mit Pferdeboxen, Arztstuhl und anderen „Spielzimmern“. Speziell ein Paar hat der Lesung nicht nur passiv gelauscht, sondern er hat mit einer Gerte an ihren … Ach, lassen wir die Details. Ich möchte aber ausdrücklich betonen, dass ich da nicht aus meinen Jugendbüchern gelesen habe …

2) Welches Buch hast Du als letztes verschenkt?
Hillbilly-Elegie von J. D. Vance, an eine gute Freundin zum Geburtstag.*

3) Hast Du es selbst eingepackt?
Ja, wie quasi immer: In Seiten des Sportmagazins Kicker. Manchmal gelingt es mir sogar, passende Überschriften für die Oberseite auszusuchen, irgendwas mit Zweikämpfen, Niederlagen, Entlassungen, roten Karten oder anderen humorigen Dingen.

4) Schreibst Du täglich?
Sagen wir mal so: Ich denke jeden Tag ans Schreiben, auch wenn ich mir eigentlich einen „freien Tag“ vornehme. Einfälle zu aktuellen oder zukünftigen Geschichten lassen sich nun mal nicht kontrollieren … Seit ich eine Tochter habe, versuche ich aber, die Wochenenden möglichst arbeitsfrei zu halten. Unter der Woche schreibe oder recherchiere ich, beantworte Interviewfragen und Mails oder befinde mich auf Lesereise. Im Zug schreibe ich tatsächlich nicht, da lese ich. Oder notiere mir neue Ideen …

5) Wenn Du einen historischen Roman schreiben müsstest, welche Epoche würdest Du Dir dafür aussuchen (und warum)?
Auf keinen Fall würde ich das als ein Muss begreifen … Spannende Stoffe gibt es in jeder Epoche zuhauf, und tatsächlich habe ich mir hier und da schon mal eine Idee aufgeschrieben. Aber mein Herz schlägt für die Antike, die auch meine Fantasy immer stärker beeinflusst hat als etwa das Mittelalter. Ganz unabhängig davon, was mich etwa an der damaligen Technologie fasziniert oder an den politischen und philosophischen Ideen, war ich einfach glücklich, als ich zum ersten Mal in Griechenland vor antiken Ruinen stand. Da gibt es eine emotionale Bindung, die ich im Folgenden immer gespürt habe, auf Sizilien, in Südfrankreich, in Rom. Dort das Forum und den Palatin bei sengender Hitze zu erkunden, war einfach nur wunderschön.

6) Wann hast Du Dich selbst zum ersten Mal als „Autor“ bezeichnet?
Das weiß ich wirklich nicht mehr. Vermutlich auf irgendeiner Studentenparty, auf die ich mit Freunden gegangen bin, obwohl ich mein Studium schon zugunsten des Schreibens abgebrochen habe. Da hat ständig irgendwer gefragt: „Und was machst du so?“
Studium und Schreiben, Job im Otherland, Redaktionsarbeit bei der Mephisto, bezahlte Lesungen, (selbst-)Verlag, das alles ging teils parallel, teils ineinander über. Wie ich mich selbst irgendwo bezeichnet habe, war nicht wichtig. Das erste Buch, die erste öffentliche Lesung, die Entscheidung, das Studium abzubrechen – das sind Dinge, die sich eingeprägt haben.

7) Magst Du uns einen Satz aus Deinem aktuellen Projekt verraten?
Da wir Autoren bei unseren eigenen Werken dazu tendieren, unmäßig zu sein, hier gleich drei (zusammenhängende) Sätze aus den Feuern von Arknon …
„Er war der berühmteste und gefürchtetste Kopfgeldjäger des Großtirdischen Reichs. Er hatte die berüchtigten Räuber des tiefen Argenwalds zur Strecke gebracht, den blinden Dieb der heiligsten Heiligtümer aus Aphrasehr und den blutrünstigen Samothanbeter Wizzenthe, der dreizehn dreizehnjährige Jungen ermordet und mitternachts im Dämmerforst verscharrt hatte. Herr Thaler hatte den wahnsinnigen Statuenräuber aus Chybhia erwischt und den unverschämten Stallburschen, der die Jungfräulichkeit der Königstochter gestohlen hatte.“

Vielen Dank!

Boris Koch, geboren in einer Winternacht 1973, wuchs auf dem Land im bayrischen Schwaben auf. Nach dem Zivildienst in einer Kinderpsychiatrie studierte er Alte Geschichte und Neuere Deutsche Literatur mit wechselnden Nebenfächern in München und brach beide Studiengänge ab. Im Jahr 2000 zog er nach Berlin, wo er schrieb, zeitweilig in der Otherland Buchhandlung jobbte und mit Christian von Aster und Markolf Hoffmann die Lesebühne Das StirnhirnhinterZimmer gründete. Seit 2015 lebt er mit der Autorin Kathleen Weise und ihrer gemeinsamen Tochter in Leipzig und schreibt für Jugendliche und Erwachsene, Phantastisches und Realistisches, Längeres und Kürzeres. Gelegentlich textet er Comics und im Magazin Mephisto berichtet er regelmäßig vom vergnüglichen Zusammenleben mit seinem Hauszombie Ewald. Für den Jugendkrimi Feuer im Blut erhielt er 2008 den Hansjörg-Martin-Preis, Vier Beutel Asche wurde von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Buch des Monats gekürt und Der Drachenflüsterer 3 – Das Verlies der Stürme landete auf der Longlist für den Seraph. Diverse Kurzgeschichten waren für Preise nominiert, u.a. für den DSFP, den DPP, den Kurd-Laßwitz-Preis und den Vincent Preis.
Mehr zum Autor auf seiner Website oder bei Facebook.

 

* im Beitrag erwähnte Bücher:
J.D. Vance: Hillbilly-Elegie. Ullstein Verlag, April 2017 – gebunden – 302 Seiten. ISBN: 3550050089. Preis: 22,00 Euro
Boris Koch: Die Feuer von Arknon. Drachenflüsterer 4. Heyne, März 2017 – gebunden – 429 Seiten. ISBN: 3453271041. Preis: 12,99 Euro

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