7 Fragen an … Ju Honisch

Ju Honisch. Das Foto wurde freundlicherweise von der Autorin zur Verfügung gestellt.

1) Was war der skurrilste Ort, an dem Du je eine Lesung gehalten hast?
Das war in Meißen auf dem Literaturfest. Da waren wir als Feder&Schwert Autorengruppe eingeladen und haben einen Abend mit etwas Grusel gestaltet und der Vorstellung eines Fotobandes mit Kurzgeschichten, die Adaptionen von klassischen Märchen waren: „Wahre Märchen 2: Elf klassische Märchen in neuem Gewand“*. Der Veranstaltungsort war ein Verlies. Tief unter den Häusern des wunderschönen Meißen hatte hier jemand einen mehrteiligen, alten Gewölbekeller zu einem goth-freundlichen Treffpunkt ausgebaut. Ein Skelett saß mit altmodischer Kleidung und Spitzenschirm in einem Korbstuhl. Ratten (aus Plüsch) schienen über die Decken zu rennen, und der einzige größere Tisch war ein echter metallener Pathologie-Tisch. Auf ihm haben wir dann unsere Bücher aufgebaut.
Wunderbares Ambiente!

2) Welches Buch hast Du als letztes verschenkt?
„Das Dimensionstor“*, ein Kurzgeschichten Projekt des Amrun-Verlags, an dem ich mitgewirkt habe. Aber das nächste Geschenk liegt auch schon bereit, „Amalthea“ von Neal Stephenson*.

3) Hast Du es selbst eingepackt?
Natürlich. Ich packe gerne Päckchen ein, habe ein Faible für einfarbiges Geschenkpapier und bunte Bänder und klebe gerne Schokoladenkäfer drauf.

4) Schreibst Du täglich?
So gut wie. Ich schreibe morgens vor dem „Day-Job“ und nach dem Abendessen. Und manchmal noch während der Mittagspause. An Wochenenden natürlich sowieso. Ich schreibe auf Reisen im Zug und bei Besuchen im Café. Ich schreibe an Wochenenden und Feiertagen. Vereinzelt kommt es vor, dass ich mal zu müde bin. Aber selbst dann versuche ich meistens noch, wenigstens ein paar Sätze hinzubekommen. Ich bin normal berufstätig und schreibe ein Buch pro Jahr. Das hat dann meist so um die 800 Seiten. Außerdem noch die eine oder andere Kurzgeschichte zwischendrin. Das muss man dann einfach auf 365 Tage umrechnen.

5) Wenn Du einen historischen Roman schreiben müsstest, welche Epoche würdest Du Dir dafür aussuchen (und warum)?
Ich habe ja schon historische Phantastik geschrieben. Die spielte von 1865 bis 1867. Gerne würde ich die Epoche wieder aufgreifen. Doch auch die napoleonische Zeit hätte einiges für sich. Die Renaissance fände ich auch interessant, allerdings sehr Recherche-intensiv. Das Mittelalter ist nicht „mein Ding“. Ich habe immer den Anspruch, Historisches auch korrekt darzustellen. Und dann kommen entweder hochgestellte Persönlichkeiten in Frage (sehr viel Nachforschungsarbeit) oder die durchschnittliche DörflerIn, die ihre „Scholle“ nicht verlassen durfte und bei nichts in ihrem Leben eine Wahl hatte, nicht einmal die, ohne Häubchen herumzulaufen. Das mag zwar grausam gewesen sein, aber eben nicht spannend.
Die Hethiter könnten mich auch noch reizen, dann aber mit viel Phantasie und ohne alle Forschungsergebnisse zu kennen oder hethitische Keilschrift lesen zu können.

6) Wann hast Du Dich selbst zum ersten Mal als „Autor“ bezeichnet?
Als mein erstes Buch erschien. Es war „Bisse“*, das erst vor kurzem im Verlag Hockebooks.de als E-Book neu aufgelegt wurde.
Natürlich ist man auch ohne Verlag schon Autorin, sei es, dass die Verlage einen ignorieren oder dass man den Weg des Selfpublishing vorzieht. Keine Autorin hingegen ist man mit Sprüchen wie „Ich wollte ja auch schon immer mal etwas schreiben.“ – „Ich hätte ja schon Ideen, aber keine Zeit.“ – „Ich habe vor Jahren mal was angefangen. Zwei Seiten habe ich schon.“

7) Magst Du uns einen Satz aus Deinem aktuellen Projekt verraten?
Aktuell – wird gerade geschrieben:
„Aber“, fuhr sie fort, „deine Mannschaft, Kapitän, lässt die Finger vor ihr. Den ersten, der ihr zu nahe tritt, werfe ich höchstpersönlich in die Eisfluten.“ Sie stemmte ihre Fäuste entschlossen in die Seiten. Einen Moment lang war es still. 
„Und den zweiten?“, rief einer amüsiert?
„Wie steht’s mit dem dritten? Darf der dann ran?“
————–
Aus dem Manuskript „Blutfelsen“, das ich gerade abgegeben habe:
Der Kopflose stand einfach da. Kein Blut quoll aus seinem durchtrennten Hals. Stattdessen trat etwas Weißes hervor, schob sich aus der Öffnung, rann am Körper entlang nach unten.
Zuerst dachte Nimry, es sei eine Flüssigkeit, die sich mit einem Schwall knochenweiß gen Boden ergoss. Dann stellte sie fest, dass dies kein weißes Blut war. Blut lief. Dies hier schlängelte sich. Ein riesiger Wurm waberte an der Rüstung nach unten, halsdick, lang und borstig.

Vielen Dank!

Ju Honisch studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität (Anglistik und Geschichte). Über einen Magister und zwei Staatsexamina brachte sie ihr Weg ins Verlagsgeschäft und von dort zum professionellen Schreiben: Kurzgeschichten, Romane, Gedichte und Lieder. Ihre fundierten Geschichtskenntnisse ermöglichen ihr, für ihre Romane gut recherchierte historische Kulissen zu wählen. Ihr Humor findet sich in den Helden ihrer Bücher wieder – und manchmal ist dieser Humor ziemlich schwarz. Für ihren Erstlingsroman Das Obsidianherz erhielt sie 2009 den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie »Bestes Romandebüt«. Für den Roman Schwingen aus Stein wurde ihr 2014 auf der Leipziger Buchmesse der SERAPH für das beste phantastische Buch 2014 verliehen.
Mehr zur Autorin auf ihrer Website und bei Facebook

 

* im Beitrag erwähnte Bücher:
Annie Bertram (Hg.): Wahre Märchen 2. Feder und Schwert, Juni 2014 – gebunden – 128 Seiten. ISBN: 3867622140, Preis: 29,95 Euro
Stefan Cernohuby, Nadine Muriel (Hg.): Das Dimensionstor. Amrun Verlag & Buchhandel, März 2017 – kartoniert – 296 Seiten. ISBN: 3958695590, Preis: 12,90 Euro
Neal Stephenson: Amalthea. Manhattan, November 2015 – gebunden – 1056 Seiten. ISBN: 3442547628, Preis 29,99 Euro
Ju Honisch: Bisse. hockebooks, Oktober 2015 – epub eBook. EAN 9783957511119, Preis: 6,99 Euro
Ju Honisch: Blutfelsen. Droemer Knaur, 1. März 2018 – kartoniert – 608 Seiten. ISBN: 3426521032, Preis: 12,99 Euro


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