Woran Du einen seriösen Verlag erkennst

Es ist soweit: Endlich hast Du stolz das Wort „Ende“ unter Dein Manuskript getippt. Monate-, vielleicht sogar jahrelang hast Du an Deinem Buch gearbeitet und viel Herzblut hineingesteckt. Nun willst Du Dein Werk in die Welt entlassen. Falls Du Dich nicht für den Weg des Selfpublishings entschieden hast, heißt es also, einen passenden Verlag zu finden.

Laut einer Veröffentlichung der Frankfurter Buchmesse gibt es in Deutschland etwa 21.000 Firmen im Bereich der Herstellung und Verbreitung von Büchern. „Gut 15.000 der gelisteten Betriebe sind Verlage und verlegerisch tätige Institutionen.“

Die Unterscheidung zwischen „Verlagen“ und „verlegerisch tätigen Institutionen“ ist hierbei von großer Bedeutung. Denn selbst wenn Du alle Verlage aussortiert hast, die für Dich aufgrund der Thematik Deines Buches nicht in Frage kommen, bleiben noch einige schwarze Schafe übrig. Um diese zu erkennen, muss man sich die Frage stellen, was ein Verlag genau ist bzw. macht. Kurz definiert ist ein Verlag „ein Wirtschaftsunternehmen im Bereich des „Herstellenden Buchhandels“. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Schriften eines Autors zu vervielfältigen und diese zu verbreiten, also dem Publikum zugänglich zu machen.“ (Quelle)

Kurz gefasst, erwirbt ein Verlag die Nutzungsrechte an Deinem Buch und verpflichtet sich, es zu drucken und auf den Markt zu bringen. Der Begriff leitet sich in erster Linie vom Verb „verlegen“ ab, im Sinne von „von einem Ort zu einem anderen bewegen “ (Quelle). Das Literaturcafé konnte jedoch in mühevoller Recherche belegen, dass durchaus auch ein Zusammenhang zum Wort „vorlegen“, also Geld vorstrecken, besteht. Damit sind die Kosten gemeint, die der Verleger z.B. für den Druck, den Transport oder die Lagerung der Deiner Bücher ausgibt. Ob Du einen Vorschuss auf Dein Honorar bekommst, ist Verhandlungssache und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Du musst Dich nicht unbedingt näher mit der Geschichte des Buchhandels oder mit der Herkunft des Wortes „Verlag“ beschäftigen. Eines ist aber für Dich von größter Wichtigkeit:

Ein Verlag bekommt nie, nimmer und niemals Geld von Dir.

Unternehmen mit einer solchen Praxis bezeichnet man als Druckkostenzuschussverlage, kurz DKZV. Leider ist es keine Seltenheit, dass Pseudoverlage hoffnungsvollen Autoren versprechen, ihr Buch zu veröffentlichen und dafür horrende Gebühren verlangen – bis zu 20.000 Euro (Quelle)! Meist werben sie auf Buchmessen auf großen Bannern mit den Worten „Wir verlegen Ihr Manuskript“ oder „Autoren gesucht“. Solche marktschreierischen Maßnahmen sollten Dich direkt aufmerken lassen. Ich persönlich kenne keinen Verlag, auch keinen Kleinverlag, der darauf angewiesen wäre. Oft lassen diese Unternehmen, bei denen es sich nach Verlagsrecht nicht einmal um Verlage handelt (Quelle), die Autoren im Glauben, dass die Kostenübernahme gängige Praxis im Verlagswesen sei und lügen damit ihren Kunden frech ins Gesicht.

Nun sind diese Unternehmen natürlich auch nicht dumm und schaffen es in schöner Regelmäßigkeit, ihre Tätigkeit zu verschleiern. Unzählige Male habe ich mit jungen Autoren gesprochen, die betonten, nicht bei einem DKZV zu sein. Im weiteren Laufe des Gesprächs stellte sich dann aber heraus, dass sie das Lektorat selbst bezahlt hatten, wahlweise auch das Cover-Design. Oder dass sie ein bestimmtes Kontingent an Büchern selbst abnehmen mussten, natürlich zum Vorzugspreis. Um es auch hier deutlich zu formulieren:

Ein seriöser Verlag zwingt Dich nicht, irgendwelche Kosten mitzutragen.

Das wirtschaftliche Risiko bei der Buchproduktion liegt einzig beim Verlag. Dafür hast Du auch ohne Garantie für einen monetären Erfolg Deine Zeit investiert und bekommst nur einen Bruchteil des Verkaufspreises.

Es macht mich unheimlich traurig, dass hier mit den Sehnsüchten oft junger Menschen gespielt und die Unerfahrenheit von Menschen ausgenutzt wird, die noch neu in der Buchszene sind. Es ist mir persönlich wichtig, dass so viele Menschen wie möglich vor diesen schwarzen Schafen gewarnt werden.

Dass die Verlagssuche heutzutage schwierig ist und dass immer mehr Verlagsautoren mit den Dienstleistungen ihrer Verleger unzufrieden sind, steht dabei auf einem anderen Blatt. Kein Grund, Dein Geld diesen unseriösen Firmen in den Rachen zu werfen! Dann werde lieber Selfpublisher!

Wenn ein Verlag Dein eingesandtes Manuskript vollmundig lobt und Dir den Himmel verspricht, Dir gleichzeitig aber ein Angebot über die entstehenden Kosten sendet, lehne dankend ab. Falls Du Dich gar nicht erst bei einem solchen Verlag bewerben willst, findest Du im Netz mehrere Auflistungen, z.B. hier.

 

Hattest Du schon einmal mit DKZV und ähnlichen Institutionen zu tun? Ich würde gern über Deine Erfahrungen im Kommentarfeld lesen.

Hab einen guten Tag!
Tanja

12 Gedanken zu “Woran Du einen seriösen Verlag erkennst

  1. Hallo Tanja, ja ich hatte bereits Kontakt mit solchen Buchdruckverlagen unter anderem der Romeon Verlag, der Rgfisher Verlag und auch der Frieling Verlag hat mir solche Angebote unterbreitet. Beim Romeon Verlag habe ich sogar recherchiert, dass dieser unter einer Adresse gemeldet ist, wo ihn kein weiteres ansässiges Unternehmen an dieser Adresse im Haus kennt. Die haben mir hochwertige Broschüren gesendet und auch einen Autorenvertrag. Mein Kostenzuschuss soll bei ca.2100€ liegen. Mache ich nicht. Vielleicht hast du eine Idee für mich an welchen Verlag ich mich wenden kann. Es handelt sich bei meinem Buch um ein spirituelles Buch, keine Esoterik. Ich würde mich sehr freuen von dir zu lesen. Herzliche Grüße Uschi Draut

  2. Hallo Tanja 🙂
    Mein Manuskript ist fertig. Leider weiß ich nicht welches Genre ich es einordnen soll um den perfekten Verlag zu finden. habe mich auch schon schlau gemacht, welche Verlage es gibt, möchte es allerdings erstmal klein versuchen. Hast du vielleicht Tipps für mich.
    Liebe Grüße
    Theresa Kiesewetter

    • liebe Theresa, als Autorin solltest Du eigentlich wissen, welchem Genre Du Dein Werk in etwa zuordnen kannst.
      Schau Dich einfach in einer Buchhandlung Deiner Wahl um, was so ähnlich sein könnte, und guck dann, in welchem Verlag diese Titel erschienen sind.
      Viel Erfolg!

  3. Hallo Tanja,

    es ist so traurig, es melden sich jedemenge Verlage, aber alle wollen Geld. Wie bekommt man eine ehrliche Einschätzung, damit man weiß ob sich die Mühe das Manuskript zu verschicken auch lohnt. Manchmal sieht man seine eigene Arbeit ja nicht wirklich objektiv. Anfangs fühlte ich mich noch geschmeichelt..aber langsam werde ich wütend… Natürlich habe ich mein „Werk“ auch an die großen Verlage geschickt, aber die melden sich ja eigentlich nicht bei Unbekannten. LG Claudia

    • Dass große Verlage sich prinzipiell nicht melden, kann man so nicht sagen, aber ja, die Hürde ist hoch. Da hilft leider nur, nicht den Mut zu verlieren und weiterzumachen. Vielleicht magst Du Dein Exposé auch mal einer Agentur vorstellen? Die geben oft ehrlicheres Feedback.

  4. Hallo Tanja,
    ja, auch ich habe mit meinem Manuskript schon bei einigen Verlagen Erfahrungen sammeln müssen, die von 1.500 bis 16.000 € Vorschuß haben wollten, was mit mir aber nicht zu machen ist. Ich bin in hohem Rentenalter und habe nur aus Langeweile angefangen, ein Manuskript in zwei Teilen zu schreiben. Wenn man aus dem arbeitsreichen Arbeitsleben heraus ist und Kinder und Enkel so weit weg wohnen, daß häufige Besuche kaum machbar sind, muß man eben, wie ich es getan haben, mit seiner Zeit etwas nützlichen versuchen anzufangen.
    Der Roman behandelt das Leben eines jungen Mannes, im ersten Teil in Deutschland, in zweiten Teil auf Java.
    Mir wurde von vielen Seiten gesagt, daß sich mein Abenteuer/Unterhaltungsroman ungemein gut ließt, dennoch werfe ich mein hart erarbeitetes Geld nicht Verlagen in den Rachen, die einem nicht die geringste Garantie für den Erfolg geben wollen.
    Ich werde einmal versuchen, Ihnen (das Du kommt meiner Generation nicht so leicht über die Lippen, da wir noch Respekt gelernt haben) eine Leseprobe zu schicken, das aber ist angesichts von 268 Seiten aus dem ersten Teil gar nicht so einfach.
    Vielleicht hören – lesen – wir noch voneinander und sehen, was aus unserem Kontakt geworden ist.

    Bis dahin alles Gute und freundliche Grüße
    Manfred Dehn

    • ich finde es gut, im hohen Alter noch ein Buch zu schreiben – Ihre Generation hat doch eine Menge zu sagen!
      Mail ist angekommen, ich antworte Ihnen noch, versprochen!

  5. Hallo Tanja,

    ich habe mein erstes Manuskript fertiggestellt, es handelt sich um einen Thriller. Ein „Frischling“, wie ich nunmal auf diesem Markt bin, habe ich auch verschiedene dieser Druckkostenzuschussverlage angeschrieben, da ich natürlich auch erst einmal auf die reißerischen Sätze wie „Neuautoren gesucht“, bzw. „Wir helfen Ihnen, Ihr Buch zu veröffentlichen“ hereingefallen bin. Ich habe mehrere Angebote vorliegen, u. A. vom Romeon-Verlag.
    Die offenkundige Kritik hier im Internet betreffend dieser Verlage hat mich nun aber doch sehr stutzig gemacht, sodass ich keines dieser Angebote unterschrieben habe.

    Vielleicht kannst Du mir einen Rat geben, wie ich einen seriösen Verlag finden und mein Buch guten Gewissens herausbringen kann?

    Ich bin nun wirklich sehr verunsichert.

    • ja, es ist wirklich schlimm, wie einem hier das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Aber zum Glück gibt es ja genügend faire Verlage, gerade im Krimi- und Thriller-Bereich. Einfach mal in der nächsten Buchhandlung stöbern und die Verlage gezielt anschreiben, z.B. Conte, Aufbau, Bastei Luebbe …
      Hier gibt es eine schöne Liste: https://www.autorenwelt.de/verlagsliste-krimiverlage
      Oder Du bewirbst Dich gleich bei einer Agentur, die auf Krimis spezialisiert ist.

  6. Ja ich habe heute auch einen Vertrag für mein eingereichtes Manuskript für Kinderbuch beim Romeon Verlag erhalten.
    Natürlich gibt es Freude nicht gleich zu hören: das wird nichts, aber eine Selbstbeteiligung geht gar nicht. Ich habe eine kleine Rente und da kann ich nichts von abstottern.
    Es handelt sich um eine Detektiv Geschichte, erzählt von einer Gans, die gern Sherlock Holmes wäre, die ich selber illustriere .
    Die Kosten sind sehr viel geringer als in anderen Verlagen dieser Art, ( früher beim Fischer Verlag) darum habe ich mir Bedenkzeit erbeten und einen anderen Vorschlag der Finanzierung eingebracht. Mal sehen.

    • ich kann nur nochmals betonen, dass ich niemals einem „Verlag“ Geld dafür anbieten würde, mein Buch herauszubringen. Dann lieber gleich als Selfpublisher.

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