to absent friends! Die Anthologie „Geschichten aus den Herbstlanden“

Wie Ihr vielleicht wisst, bin ich seit März 2018 offizielle Herbstlande-Chronistin. Wem das nichts sagt: „Herbstlande“ ist der Titel eines außergewöhnlichen Fantasy-Romans. Außergewöhnlich allein schon deshalb, weil gleich vier Autoren an seiner Entstehung beteiligt waren: Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser.

Nachdem sich ihr sehnlicher Wunsch, mit ihrem Nathan ein Kind zu bekommen, nicht erfüllt, greift Scarlett Hayden in ihrer Verzweiflung zu einem alten Zauber: Wenn man in der Halloween-Nacht einen Wunsch in einer Kürbisfratzenflamme verbrennt, soll er sich erfüllen. Doch in ihrer Ungeduld bricht Scarlett die wichtigste Regel: Sie wirft den kleinen Zettel mit dem großen Wunsch bereits Ende August in die Kürbisflamme und setzt so eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang: Nach einem Autounfall fällt ihr geliebter Nathan ins Koma. Von einem geheimnisvollen Wesen aus Kerzenflamme und Kürbismagie erfährt Scarlett von ihrer einzigen Chance, Nathan zu retten: Sie muss in die Herbstlande reisen und die Kürbiskönigin um Erlösung bitten. So begibt sich Scarlett auf eine gefährliche und gleichsam fantastische Reise in die Gefilde der Länder September, Oktober und November, wo Laubdrachen und Mitternachtsraben, Fleder-Schrecken und Lygnisse, Spiegelwälder und Kürbiswichtel nur ein kleiner Teil der Dinge sind, die ihr begegnen …

Als Chronistin ist es mir Pflicht und Ehre, Euch ein weiteres Projekt aus der Reihe anzukündigen, das Euch in die Welt der Herbstlande zurückführen wird: Diesen Monat erscheint, ebenfalls im Verlag Torsten Low, die Anthologie „Geschichten aus den Herbstlanden“, zu der u.a Christoph Marzi, Oliver Plaschka und Diana Menschig Beiträge beigesteuert haben.

Die Herbstlande – ein magischer Ort zwischen Laubrascheln und Herbstwindflüstern, wo wundersame Wesen durch die Wälder streifen und es mehr Geschichten gibt, als jemals Blätter von den Bäumen der Länder September, Oktober und November fallen können. Mehr als 30 Autoren haben sich auf den Weg in die Herbstlande gemacht, um einige dieser Geschichten ans Licht zu bringen. Folgen Sie ihnen sowie den vier Herbstlande-Entdeckern Fabienne Siegmund, Stephanie Kempin, Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser in die drei Länder und entdecken Sie Blattgoldbären, Mandarinenfeen, Kastanienkönige und sogar geheime Monate.

 

Bunt und vielfältig wie Herbstblätter ist die Welt der Herbstlande, zauberhaft, geheimnisvoll, aber auch melancholisch. Deshalb überrascht es nicht, dass die Anthologie drei Menschen gewidmet ist, die leider keinen Beitrag mehr dazu beisteuern konnten: Sven Hüsken, Aileen P. Roberts und Vanessa Busse. Wie es dazu kam, erzählt Herausgeberin Fabienne Siegmund:

Als die Durchführung der Anthologie noch nicht mehr als ein Hirngespinst war, haben wir zusammengesessen und überlegt, wen wir gerne dabei haben würden, wenn es diese Gelegenheit gäbe. Claudia (Aileen) und Sven standen auf dieser Liste weit oben, und dass wir sie nicht mehr fragen konnten, als das Projekt vom Traum zu Wirklichkeit wurde, hat uns sehr getroffen. Deshalb stand für uns fest, ihnen das Buch zu widmen und sie so doch noch mit in die Herbstlande zu nehmen. Vanessa starb in der Zeit, in der wir gerade am Buch arbeiteten, unser Verleger Torsten Low kannte sie sehr gut und als er uns fragte, ob wir auch für sie einen Platz in der Widmung hätten, haben wir von Herzen ja gesagt.

Eine wundervolle Geste der Herausgeber, wie ich finde, und ich freue mich, dass ich Euch die drei Autoren im Folgenden kurz vorstellen darf:

Aileen P. Roberts habe ich selbst kennenlernen dürfen, als ich noch mit WerkZeugs unterwegs war. Das letzte Mal habe ich sie in unserer Autorenlounge auf der der Buchmesse in Leipzig 2015 getroffen. Unvergessen bleiben die Fantasydays 2010 in Neuss, wo wir uns nach getaner Arbeit den ein oder anderen Cocktail genehmigten, was zu späterer Stunde etwas ausartete, wie dieses Foto von Aileen zusammen mit Diana Kinne und Ann-Kathrin Karschnick veranschaulicht.
Ich habe Aileen sehr gemocht. Sie hatte so eine stille Art – aber einen unglaublichen Humor, der uns alle mehr als einmal vor Lachen zu Boden schickte. Seit ihrem für die meisten von uns unerwarteten Tod im Dezember 2015 fehlt sie auf allen Veranstaltungen. Ihr Mann Stephan Lössl führt ihr Werk weiter. So konnten im letzten Jahr u.a. noch Winterfeuer und Schatten über Duntulm Castle erscheinen, beide Romane entführen in das von Aileen so geliebte und in ihren Werken oft auftauchende Schottland. Ich glaube, Aileen hätte nur zu gern eine Geschichte für die Anthologie beigetragen. Und ich bin mir sicher, ihr Beitrag hätte wunderbar in die Welt der Herbstlande gepasst.

 

 

 

 

 

 

Die anderen beiden Autoren habe ich leider nicht mehr persönlich kennenlernen dürfen. Sven Hüsken schrieb wie viele aus der Szene zunächst phantastische Kurzgeschichten, u.a. für das Kinderkochbuch „Die kleinen Köche“ und die Anthologie „Das Tarot“ (ebenfalls u.a. hg. von Fabienne Siegmund). Als erster Roman erschien 2015 bei Knaur der Thriller „Papa“. Ebenso wie Aileen wurde Sven Hüsken von der Agentur Schmidt & Abrahams vertreten und ebenso wie bei ihr war es Krebs, der seinem Leben ein Ende setzte. Er war im selben Jahr geboren wie ich. Gestorben ist er im August 2016, 21 Monate nachdem die Ärzte ihm prophezeit hatten, er hätte noch vier Monate zu leben.
Scrollt man durch sein Facebook-Profil sieht man einen echten Kämpfer. Sven Hüsken ist von Anfang an mit seiner Krankheit offensiv umgegangen, hat von seiner Chemo erzählt und der Krankheit den Krieg erklärt. „Kämpfen, bis nichts mehr geht!“, postet er einmal und ich denke mir, wie schade es ist, dass ich diesen Mann nicht kennengelernt habe.

Vanessa Busse stand noch am Anfang ihrer Autorenkarriere. Erst 2014 veröffentlichte sie als Selfpublisherin ihren Erstling „Vampirin wider Willen“, danach arbeitete sie vorwiegend im Bereich Science-Fiction. Bereits drei Jahre später erlag sie einer schweren Krankheit. Sie war 37 Jahre. Auch ihr Tod kam für ihre Freunde und Leser nicht überraschend, denn wie Achim Mehnert im Zauberspiegel schreibt, ging sie ähnlich wie Sven Hüsken sehr offen mit ihrer Erkrankung um. Abgesehen von ihrem Erstling schrieb die Lebensgefährtin von Alfred Wallon hauptsächlich im Bereich der Science Fiction, was erklären könnte, warum ich sie nicht kannte. Unter anderem verfasste sie mehrere Romane zur Serie „Raumschiff Promet“ (BLITZ Verlag). Auch der Künstlername, unter dem sie einige Songs veröffentlichte, „Vanessa Saturn“, zeigt ihr Faible für die unendlichen Weiten des Weltraums. Umso sinnloser erscheint es mir, dass ihre eigene Zukunft so schnell endete.

Drei Autoren, drei Schicksale. Drei Beispiele, die wieder einmal aufzeigen, wie schnell das Leben zu Ende sein kann, ein Gedanke, den wir zu gern verdrängen. Deshalb schiebt Eure Träume nicht auf die lange Bank, wer weiß, wie lange Ihr noch Zeit habt, sie zu realisieren. Du wolltest schon immer schreiben? Dann fang an. Aileen, Sven und Vanessa können es nicht mehr.

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