Warum Du hier keine schlechten Kritiken finden wirst

Wenn man über Bücher bloggen will, muss man sich zwangsläufig über einige Dinge Gedanken machen und entscheiden, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten möchte. Ein solcher Fall ist der Umgang mit Titeln, die man als Rezensionsexemplare bekommen hat, die einen aber nicht überzeugen konnten. Meine Überlegungen dazu möchte ich heute mit Dir teilen.

Eines ist klar: Bücher sind immer auch Geschmackssache. Ein Roman kann noch so gut geschrieben sein, wenn mich das Thema nicht anspricht, kann man nichts machen. Ich kann z.B. wenig mit humoristischer Fantasy anfangen (wie ich hier schon zugegeben habe). Da können alle noch so laut schreien, wie toll sie „Die Stadt der träumenden Bücher“ finden – ich lege es trotzdem nach wenigen Seiten weg.

Um diese Bücher geht es in diesem Blogartikel aber nicht. Ist ein Buch gut geschrieben, versteht der Autor sein Handwerk und hat sich Mühe beim Weltenbau, bei der Charaktererschaffung oder der Handlung gegeben, bespreche ich den Titel gern. Ich habe festgestellt, dass man einige gute Dinge in Texten herausarbeiten kann, wenn man sich eingehend und wohlwollend mit ihnen beschäftigt.

Wohlwollend bedeutet nicht, dass man Bücher schön redet! Aber da ich weiß, wie viel Arbeit in einem Text steckt, finde ich, dass man jedem Autor mit Respekt entgegentreten sollte. Respekt kann auch heißen, dass man einige Dinge benennt, die einem nicht gefallen haben. Konstruktive Kritik nennt man das dann. Und ich finde, diese macht nur dann Sinn, wenn man gleichzeitig auch gute Elemente hervorhebt.

Was aber mit den Büchern, die einem überhaupt nicht gefallen? Die man ständig mit einem Augenrollen weglegt? An denen man wirklich kaum Gutes findet?

Ich bin ja unter anderem auch als Tänzerin aktiv. In der Bauchtanz-Szene gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn man über eine Show berichtet und eine der Tänzerinnen schrecklich war, schreibt man über … ihr Kostüm. Soll ich also etwas über das Cover schreiben? Und wenn das auch nicht taugt, einfach über das schön gewählte Format oder die Haptik der Seiten?

Das war natürlich nur ein Scherz, solche Besprechungen würden auch nicht zu dem Anspruch passen, den ich an mich selbst habe (immerhin habe ich mal Literaturwissenschaften studiert). Gleichzeitig habe ich aber auch festgestellt, dass ich kein Interesse daran habe, negative Kritiken oder gar Verrisse zu schreiben.

Nach langem Hin und Her habe ich mich dazu entschieden, dass Du hier auf meinem Blog keine Verrisse lesen wirst, und zwar aus folgenden Gründen:

1) Wie ich schon auf meiner mich-Seite geschrieben habe, liebe ich es, Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken. Ich möchte meine Leidenschaft für gute Bücher teilen und nicht über schlechte Bücher lästern. Bei meiner Arbeit für WerkZeugs, z.B. auf den Messeständen, und im Drachenwinkel habe ich es geliebt, Kunden von Büchern vorzuschwärmen. Wenn mich jemand nach einem Tipp gefragt hat, habe ich ihm ja nicht erstmal 5 Bücher gezeigt, die er auf keinen Fall lesen soll.

2) Meine Zeit ist mir zu schade. Klingt vielleicht hart, ist aber so. Immerhin sitze ich mehrere Stunden an einer Rezension. Die investiere ich lieber in Projekte, die allen Beteiligten etwas bringen.

3) Ich finde, dass wir uns heutzutage viel zu oft beschweren und uns viel zu selten positiven Dingen zuwenden. Das bedeutet nicht, eine rosarote Brille aufzusetzen. Du weißt doch selbst, dass es Tausende mieser Bücher auf dem Markt gibt, das muss ich Dir nicht sagen. Reden wir lieber über die tollen Bücher!

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, über den ich mir sehr lange Gedanken gemacht habe. Immerhin ist es oft so, dass mir Bücher von Verlagen oder Autoren gestellt werden. Meist habe ich den Titel sogar angefordert. Bin ich damit eine Verpflichtung eingegangen? Hat der Verlag ein Recht auf die Rezension? Ich denke nicht. Auch das Bloggerportal zwingt ausdrücklich niemanden dazu, Bücher zu rezensieren, bittet aber darum, das Rezensionsexemplar weiterzugeben.

Wenn ich einen Titel nicht rezensieren möchte, gehe ich folgendermaßen vor: Ich schreibe den Verlag (oder Autor) an, erkläre, warum ich das Buch nicht besprechen möchte, und biete mehrere Möglichkeiten zur weiteren Vorgehensweise an (Rücksendung an den Verlag, Weitergabe an einen anderen Blogger, Verlosung oder Verwendung in Aktionen wie All Hallows Read oder Ein Buch auf Reisen).

Laufe ich damit Gefahr, dass der Verlag nicht mehr mit mir zusammenarbeiten möchte? Natürlich. Wenn man sich aber korrekt verhält und gut kommuniziert, ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Verlag wegen eines einzelnen abgelehnten Buches die Kooperation aufkündigt (kommt der Fall öfter vor, sollte man sich vielleicht als Blogger genauer überlegen, welche Bücher man anfordert). Wenn man wirklich Pech hat, ist der Kooperationspartner schon beim ersten Mal so sauer, dass er Dir keine weiteren Bücher mehr schickt. Diesen Fall hatte ich bislang noch nicht, sollte es aber soweit kommen, bricht davon auch nicht die Welt zusammen. Immerhin gibt es laut Börsenverein knapp 1.800 Verlage in Deutschland, die Auswahl ist also groß genug. Und dann – pssst! – gibt es noch eine krasse Alternative: Die Bücher einfach selbst kaufen!

Wie siehst Du das? Bloggst Du selbst und wenn ja, schreibst Du auch über Bücher, die Dir nicht gefallen haben? Und an alle Leser: Liest Du 1-Sterne-Rezensionen und wenn ja, was bringt es Dir?

Bin gespannt auf Deine Meinung!

Hab einen guten Tag!
Tanja

 

2 Gedanken zu “Warum Du hier keine schlechten Kritiken finden wirst

  1. Liebe Tanja, DANKE für Deine interessanten Gedanken zum Thema positive – negative Kritiken. Ich finde Deinen Grundsatz gut nachvollziehbar und sehr gut finde ich Deine Art der offenen Kommunikation. Ich halte es allerdings anders und schreibe eine negative Kritik, wenn mir ein Buch nicht gefällt. Allerdings im Rahmen, für Bücher durch die ich mich durchquälen muss, ist mir meine Zeit auch zu schade. Ich denke, dass ich auch in meinen negativen Kritiken sachlich, konstruktiv bin und dem Autor mit Respekt begegne. Wenn ich mich mit Freunden über Bücher unterhalte, kommt es auch vor, dass ich von einem Buch abrate. In solchen Gesprächen tauscht man sich ja aus, welche Art von Buch man gern liest und welches nicht. Ähnlich sehe ich eine negative Buchkritik. Ich bewerte es negativ und begründe, warum. Jeder Leser kann anhand meiner Informationen und meiner Meinung selbst entscheiden, ob er meine Gründe nachvollziehen kann und vielleicht besser die Finger von dem Buch lässt. Oder ob er über den kritisierten Punkt hinwegsehen kann oder ganz anders darüber denkt. De facto machen negative Rezensionen auf meinem Blog allerdings auch nur einen sehr kleinen Anteil aus. Einfach aus dem Grund, dass auch ich meine Bücher so aussuche, dass sie mir voraussichtlich gefallen. Das klappt in der Regel und entsprechend sind fast alle meine Rezensionen positiv. Ich finde das gut so und fühle mich nicht dazu berufen, unbedingt negative Kritiken um des Prinzip willens zu schreiben. Dazu machen mir gute Bücher zu viel Spass. Da geht es mir ähnlich, wie Dir. Liebe Grüße, Eva

  2. Hi,
    ich schreibe auf meinem Blog auch Rezensionen, verbinde das Bloggen über Bücher jedoch oft mit einem Sachthema, bspw. teste ich versch. Reiseführer und schreibe für welche Art von Reisen welcher besser geeignet ist. Denn meine Meinung ist, dass ein Buch (egal ob Sachbuch oder Belletristik) immer für eine bestimmte Leserschaft wie gemacht ist. Und dann schreibe ich halt: „Wenn du gern wandern gehst, oder Liebesromane magst, wirst du dieses oder jenes Buch lieben, wenn du aber eher auf Krimis stehst, schenke es lieber einer Freundin und nimm den neusten Krimi von Autor xy. Beruflich gesehen würde ich mich sogar freuen, wenn jemand ein Buch nicht besprechen will, weil es nicht zusagt. Das ist doch besser als ne schlechte Kritik zu kassieren.
    Viele Grüße
    Myriam

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